Polyvinylchlorid (auch Poly(vinyl chloride), umgangssprachlich Polyvinyl oder einfach Vinyl; abgekürzt PVC) ist nach Polyethylen und Polypropylen der weltweit am dritthäufigsten produzierte synthetische Kunststoff. Jährlich werden etwa 40 Millionen Tonnen PVC hergestellt.
PVC gibt es in zwei Grundformen: Hart-PVC (manchmal auch RPVC genannt) und Weich-PVC. Hart-PVC wird im Bauwesen für Rohre und Profile wie Türen und Fenster verwendet. Es dient außerdem zur Herstellung von Plastikflaschen, Verpackungen für Non-Food-Artikel, Abdeckfolien für Lebensmittel und Plastikkarten (z. B. Bank- oder Mitgliedskarten). Durch die Zugabe von Weichmachern, meist Phthalaten, lässt es sich weicher und flexibler machen. In dieser Form findet es auch Anwendung in Sanitärinstallationen, zur Isolierung von Elektrokabeln, für Kunstleder, Bodenbeläge, Schilder, Schallplatten, aufblasbare Produkte und in vielen anderen Bereichen, in denen es Gummi ersetzt. Zusammen mit Baumwolle oder Leinen wird es zur Herstellung von Segeltuch verwendet.
Reines Polyvinylchlorid ist ein weißer, spröder Feststoff. Es ist in Alkohol unlöslich, aber in Tetrahydrofuran leicht löslich.

PVC wurde 1872 von dem deutschen Chemiker Eugen Baumann nach umfangreichen Untersuchungen und Experimenten synthetisiert. Das Polymer bildete sich als weißer Feststoff in einem mit Vinylchlorid gefüllten Kolben, der vier Wochen lang lichtgeschützt gestanden hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts versuchten der russische Chemiker Iwan Ostromislenski und Fritz Klatte vom deutschen Chemieunternehmen Griesheim-Elektron, PVC in kommerziellen Produkten einzusetzen. Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des starren, mitunter spröden Polymers vereitelten jedoch ihre Bemühungen. Waldo Semon und die Firma BF Goodrich entwickelten 1926 ein Verfahren zur Weichmachung von PVC durch die Beimischung verschiedener Additive, darunter ab 1933 auch Dibutylphthalat.
Veröffentlichungsdatum: 09.02.2023